Liebesgrüße an Lieschen Müller

Briefe voller Gefühle – Forschungsprojekt zur Digitalisierung von Zeugnissen der Alltagskultur

17.03.2021 von

Die Liebesbriefe, die Prominente wie Goethe, Marlene Dietrich oder Bertolt Brecht schrieben, sind hinreichend bekannt und dokumentiert. Was aber ist mit den werbenden, verzweifelten oder zärtlichen Zeilen, die ganz „normale“ Menschen an ihre Liebsten adressieren? Mit diesen Zeugnissen der Alltagskultur befasst sich das von der TU Darmstadt koordinierte Forschungsprojekt „Gruß und Kuss – Briefe digital. Bürger*innen erhalten Liebesbriefe“. Im Verbund mit der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, der Hochschule Darmstadt und Universität Koblenz soll aus diesem Citizen Science-Projekt ein digitales Liebesbriefarchiv entstehen.

Das Archiv besteht aus über 20.000 Liebesbriefen, die nun digitalisiert, erschlossen und zugänglich gemacht werden.

Es gibt das diskrete Liebesgeständnis, Briefe, die von Leidenschaft oder unerfüllter Liebe handeln. Zettel mit ein paar Gedichtzeilen, Worte, die ein Wiedersehen herbeisehnen, die um die Hand der Erwählten werben oder der Zweisamkeit ein Ende setzen. „Es ist faszinierend, vieles liest sich vertraut, aber vieles ist auch sehr überraschend“, sagt Andrea Rapp, Professorin am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft der TU Darmstadt.

Wenn sich die Sprachwissenschaftlerin in ihr Forschungsmaterial vertieft, liegt vor ihr die ganze Bandbreite und Gefühlswelt bis dahin ihr unbekannter Menschen. Liebesbriefe und Briefwechsel, die Lieschen Müller, Gustav Meyer oder Urs Schmidt im 19. oder 20. Jahrhundert an ihren „Schatz“ geschrieben haben. Eine Quelle weitgehend unerschlossener Alltagskultur, die Rapp und ihre Forschungspartnerinnen und -partner bewahren und vom analogen ins digitale Zeitalter heben wollen, um es einer breiten Öffentlichkeit und Bürgerforschung zugänglich zu machen.

Zurückgreifen können die Forschenden auf das Liebesbriefarchiv, das Professorin Eva L. Wyss vom Institut für Germanistik der Universität Koblenz-Landau aufgebaut hat. Vor 30 Jahren begründete sie zunächst an der Universität Zürich die Sammlung, nachdem Privatleute aus der Schweiz und Deutschland ihr nach Aufrufen in den Medien über 6.000 Liebesbriefe für ihre Sprachforschung gespendet hatten. Gemeinsam mit TU-Professorin Andrea Rapp konnte dieser Bestand seit 2015 auf heute über 20.000 Briefe und Briefwechsel ausgebaut werden. Das analoge Archiv, heute im Besitz der Uni Koblenz, bildet den Grundstock für das Verbundprojekt, das von der TU Darmstadt koordiniert wird.

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