Neues Policy Paper „Krisenfest durch dunkle Zeiten – Wie resilient sind deutsche Großstädte gegenüber Stromausfällen?“

von Michèle Knodt und Alice Knauf

14.07.2021

Dauert ein Stromausfall länger an, wird es ernst: Das Kommunikationsnetz bricht zusammen, der Verkehr kommt zum Erliegen, Wasserversorgung und Abwasserversorgung brechen zusammen, an Bargeld ist nicht mehr ranzukommen und Krankenhäusern geht der Notstrom aus. Wie gut sind deutsche Städte auf den Katastrophenfall eines über 24 Stunden anhaltenden Stromausfall vorbereitet?

Dieser Frage geht ein neues Policy Paper des Loewe-Kompetenzzentrum emergenCITY „Krisenfest durch dunkle Zeiten: Wie resilient sind Kommunen gegenüber Stromausfällen?“ nach, dass von Michèle Knodt und Alice Knauf verfasst wurde. Die zentralen Ergebnisse diskutierten die Autorinnen am 16. Juni 2021 auf einem gleichnamigen Online-Podium im Schader-Forum mit rund 90 Zuhörern.

Das eingangs skizzierte Szenario zeigt, dass das System unserer kritischen Infrastrukturen immer komplexer und krisenanfälliger wird. Menschliches oder technisches Versagen, Naturkatastrophen, Pandemien, Cyber- oder Terrorangriffe können auch in Deutschland zu einem überregionalen Stromausfall führen, der länger als 24 Stunden anhält. Städte stehen dann als untere Katastrophenschutzbehörden vor der großen Herausforderung, auf dieses Szenario zu reagieren und bis zu seiner Bewältigung möglichst gut durch die Krise zu kommen. An der Technischen Universität Darmstadt wurden im Rahmen von emergenCITY die Maßnahmen der lokalen Katastrophenschutzämter deutscher kreisfreier Großstädte auf das Szenario untersucht. Es zeigt sich, dass sich die meisten Katastrophenschutzämter mit dem Szenario auseinandersetzen. Dabei stehen interne Vorbereitungen im Bereich der Ressourcenausstattung im Vordergrund. Die Zusammenarbeit des Katastrophenschutzamtes beschränkt sich jedoch in vielen Städten auf einen einmaligen Austausch mit wenigen weiteren lokalen Akteuren. Dies wird im Ernstfall nicht reichen. Um zukünftig gegenüber dem Szenario besser gewappnet zu sein, zeigen die Autorinnen sechs Handlungsoptionen für häufig auftretende Problemfelder auf: So soll etwa der Umgang mit dem Szenario stärker geübt werden sowie mehr lokale Akteure aktiv in die Kooperation für eine solche Situationsvorbereitung einbezogen werden. Auch die Herausforderung einer sehr heterogenen Stadtbevölkerung müssen Städte noch mehr in den Blick nehmen, wobei die angespannte Personalsituation eine große Hürde darstellt.