Nachruf Dr. Helge Eilers

20.06.2022

Am 30.5.2022 verstarb plötzlich und unerwartet Dr. Helge Eilers, der über zwanzig Jahre am Institut für Sprach- und Literaturwissenschaft (Fachbereich 2: Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften) an der TU Darmstadt gelehrt hatte.

Helge Eilers (geboren 30.1.1940) wurde 1972 mit einer Dissertation zum frühmittelhochdeutschen Sprachstil am Beispiel der Kaiserchronik promoviert. Eigentlich und ursprünglich Gymnasiallehrer, lehrte und forschte er seit 1991 kontinuierlich als Lehrbeauftragter an unserem Institut und unterstützte nicht nur meinen Vorgänger, Prof. Dr. Rudolf Hoberg, sondern auch mich und das Institut bei der Betreuung von Studierenden in Sprachwissenschaft und Mediävistik. Seine Forschungsschwerpunkte lagen in den Bereichen der deutschen Syntax sowie der deutschen Sprachgeschichte mit einem Fokus auf dem Früh- und Hochmittelalter. 2001 wurde er am Fachbereich, u.a. mit auswärtiger Unterstützung durch Prof. Dr. Albrecht Greule (Universität Regensburg) und Prof. Dr. Stefan Sonderegger (†, Universität Zürich) sowie den damaligen Dekan Prof. Dr. Peter Nixdorff, habilitiert mit einer Arbeit, in der er seine Interessensschwerpunkte in idealer Weise verband – die Habilitationsschrift trägt den Titel „Die Syntax Notkers des Deutschen in seinen Übersetzungen. Boethius, Martianus Capella und Psalmen“ und erschien 2003 in der Reihe „Studie Linguistica Germanica“ bei de Gruyter. Fortan unterstützte er das Institut als Privatdozent. Am 12.7.2013 verabschiedeten wir ihn nach über 20-jähriger Lehrtätigkeit mit einem wissenschaftlichen Kolloquium zu seinen Ehren – „Der Odenwald als Sprach-, Literatur- und Kulturraum“ – in den lange verdienten Ruhestand. Dies hielt ihn keineswegs von seiner wissenschaftlichen Produktivität ab. 2015 erschien im Peter Lang Verlag eine Sammlung seiner Arbeiten aus den letzten 20 Jahren unter dem Titel „Studien zu Sprache und Stil in alt- und mittelhochdeutscher Literatur“; das Erscheinen eines aktuellen Beitrags zum Verb ängstigen, den er zusammen mit Albrecht Greule verfasste, hat er leider nicht mehr erlebt.

Wir trauern sehr um einen wohlverdienten Kollegen, der am Institut beliebt und geschätzt war und der insbesondere auch für die jüngeren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Qualifikationsphasen immer eine interessierte Frage, einen klugen Rat oder auch – unvergessen – eine Anekdote zur Darmstädter Stadtgeschichte parat hatte. Dr. Helge Eilers nahm im Wortsinn bis zu seinem Tod in mannigfacher Weise und besonderem Maße Anteil am sprachwissenschaftlichen und sprachhistorischen Forschungsgeschehen und an den Aktivitäten ehemaliger Kolleginnen und Kollegen. Wir werden ihn, seinen trockenen Humor und seine freundliche Art sehr vermissen.

Prof. Dr. Nina Janich im Namen des Instituts für Sprach- und Literaturwissenschaft