Podiumsdiskussion und Buchvorstellung: Die Kunst zu herrschen. Neue Perspektiven auf die Goldene Bulle von 1356

Autorinnen: Eva Schlotheuber und Maria Theisen

23.11.2023 von

Die Goldene Bulle von 1356 regelte die Wahl des römisch-deutschen Königs und künftigen Kaisers und wurde für 450 Jahre zur entscheidenden Grundlage für den Zusammenhalt des Reichs. Sie hatte bis 1806 Bestand und stellt damit einen epochenüberspannenden Rechtstext dar, der auch als „Grundgesetz“ des Alten Reichs gesehen wird. Heute ist sie in sieben Originalausfertigungen erhalten – eine davon liegt in Darmstadt – und gehört zum UNESCO Weltdokumentenerbe. Der Name stammt vom goldenen Siegel, mit dem das Gesetzbuch versehen wurde. Kaiser Karl IV. (1316–1378) nannte es hingegen „unser keiserliches rechtbuch“.

Die Geschichtswissenschaft sieht in der Goldenen Bulle vor allem eine Reihe von Privilegien, die die Rivalität von Kaiser und Kurfürsten in Form eines rechtlich fixierten Kompromisses zum Ausdruck bringen. Aber die Goldene Bulle war weit mehr als das, sie stand am Ende einer existenziellen Krise zwischen Kaiser und Papst und war Ausdruck einer neuen machtpolitischen Ordnung in Europa.

In einer Neubetrachtung erzählen die Autorinnen Eva Schlotheuber und Maria Theisen diesen Klassiker der Verfassungsgeschichte historisch und kunsthistorisch als einen geradezu spannenden Aushandlungsprozess zwischen den Gewalten.

Das Buch ist reich bebildert und zeigt die um 1400 von König Wenzel IV. in Auftrag gegebene, kostbar illuminierte Prachthandschrift dieses „Grundgesetzes“ in Gänze samt Übersetzung.

Die Podiumsdiskussion thematisiert die Neubetrachtung fachwissenschaftlich und gibt Einblicke in die Publikation, Vermittlung und Vermarktung neuester Forschungsergebnisse aus Verlagsperspektive. Zugleich wird die in Darmstadt aufbewahrte Ausgabe der Goldenen Bulle erstmals seit 2016 in der Universitäts- und Landesbibliothek ausgestellt!

Das Buch kann vor Ort erworben werden.

Es diskutieren:

Prof. Dr. Eva Schlotheuber

Heinrich Heine Universität Düsseldorf

Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte

Prof. Dr. Gerrit Jasper Schenk

Technische Universität Darmstadt

Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte

Joseph-M. Seidel

Wissenschaftliche Buchgesellschaft (wbg) Darmstadt

Verlegerischer Geschäftsführer

Moderation:

Dr. Stephan Ebert

Technische Universität Darmstadt

Fachgebiet Mittelalterliche Geschichte

Ort der Veranstaltung:

Donnerstag, 30. November 2023, 18:00

Vortragssaal der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt, UG (S1 20 Raum 1)

Magdalenenstraße 8

64289 Darmstadt