Einladung zur Abschiedsvorlesung von apl. Prof. Dr. Johannes Friedrich Battenberg und apl. Prof. Dr. Karl Härter
23.01.2026 von Giuseppina Amenta
Nach vielen Jahren engagierter Lehrtätigkeit verabschieden wir zwei Professoren, die unser Institut über lange Zeit maßgeblich geprägt haben. Die feierliche Abschiedsvorlesung wird von Prof. Dr. Nicolai Hannig, dem geschäftsführenden Direktor des Instituts, moderiert. Prof. Dr. Gerrit Schenk und apl. Prof. Dr. Volkhard Huth (beide Fachgebiet Mittelalter) begleiten die Veranstaltung mit Laudationes, in denen sie das wissenschaftliche Wirken und die Bedeutung der beiden Professoren würdigen.
Das Institut für Geschichte lädt zur Abschiedsvorlesung von apl. Prof. Dr. Johannes Friedrich Battenberg und apl. Prof. Dr. Karl Härter ein.
Donnerstag, 29. Januar 2026, 17:00 Uhr
Hörsaal S3-13/30
Vortragstitel:
apl. Prof. Dr. Johannes Friedrich Battenberg:
Der Fuldaer Tumult von 1591 im Kontext der Geschichte der Gewalt gegen Juden
apl. Prof. Dr. Karl Härter:
Kollektive Gewalt gegen Juden und rechtliche Reaktionen der kaiserlichen Justiz: der Frankfurter „Fettmilch-Aufstand“ 1614-1616
Die gemeinsame Abschiedsvorlesung behandelt anhand zweier Fallbeispiele exemplarisch die Thematik kollektiver Gewalt gegen die religiöse Minderheit der Juden in der Frühen Neuzeit. Sowohl bei dem Fuldaer Tumult von 1591 als auch dem Frankfurter „FettmilchAufstand“ von 1614-1616 handelte es sich um judenfeindliche Revolten mit denen physische Gewaltaktionen größerer städtischer Gruppen gegen die jüdischen Gemeinden in Fulda und Frankfurt einhergingen. Dargestellt werden nicht nur Ursachen, Formen und Verlauf der beiden Pogrome, sondern auch die politischen und rechtlichen Kontexte und Reaktionen insbesondere der kaiserlichen Reichsgerichtsbarkeit. Diese beinhalteten Konfliktregulierung und Judenschutz, aber auch die Bestrafung von Gewalttätern und damit Gegengewalt. Insofern ordnen beide Vorlesungen ihre jeweiligen Fallbeispiele in die Gesamtgeschichte der Gewaltexzesse gegen die Juden im Heiligen Römischen Reich und die Frage obrigkeitlicher Gegengewalt im Kontext von Reichsjustiz und Staatsbildungsprozessen ein.
Apl. Prof. Dr. Johannes Friedrich Battenberg (geb. 1946), Studium der Rechtswissenschaften in Frankfurt am Main, 1973 zweite juristische Staatsprüfung und Dissertation über die Gerichtsbarkeit des Reichshofgerichts im Mittelalter. Ab 1976 im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt tätig, ab 1982 dort als Archivdirektor, 1997 bis 2011 Archivleitung. 1984 Habilitation in Mittelalterlicher und Neuerer Geschichte, seit 1990 außerplanmäßiger Professor an der TU Darmstadt. Zahlreiche Monografien und Beiträge zur Geschichte der Reichsgerichtsbarkeit, der Juden sowie der Kirchen- und Regionalgeschichte, darunter „Judenverordnungen in Hessen- Darmstadt“ (1987), „Das Europäische Zeitalter der Juden“ (2. Aufl. 2000), „Das Reichskammergericht und die Juden des Heiligen Römischen Reiches“ (1992), und „Die Juden in Deutschland vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts“ (2001) „Eckstein für die Einen, Stein des Anstoßes für die Anderen“ (zur Reformationsgeschichte, 2018). Ab 1988 Vorstand der Gesellschaft für die Geschichte der Juden in Deutschland, 1993-1997 Vorstand der Vereinigung für Verfassungsgeschichte, 1997-2021 Vorsitz der Hessischen Kirchengeschichtlichen Vereinigung (Vorstand ab 1981), stv. Vorsitzender der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen und seit 2008 Vorsitzender der Hessischen Historischen Kommission.
Apl. Prof. Dr. Karl Härter (geb. 1956), Studium der Geschichte und Politik an den Universitäten Frankfurt und Darmstadt; 1984 Erste, 1986 Zweite Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien, 1991 Promotion über den „„Immerwährenden Reichstag und die Französische Revolution“ und 2002 Habilitation über „Policey und Strafjustiz in Kurmainz“ an der TU Darmstadt und dort seit 2007 außerplanmäßiger Professor für Neuere und Neuste Geschichte. Von 1992 bis 2022 Forschungsgruppenleiter und seit Eintritt in den Ruhestand Assoziierter Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, Frankfurt a. M. Mitglied/Vorstand in der Vereinigung für Verfassungsgeschichte, der Hessischen Historischen Kommission, der Kommission für die Geschichte der Juden in Hessen, des College of Expert Reviewers der European Science Foundation (ESF) und weiteren wissenschaftlichen Institutionen und Zeitschriften. Schwerpunkte von Forschung, Lehre und zahlreichen Publikationen bilden die Rechts- und Verfassungsgeschichte des frühneuzeitlichen Alten Reiches, insbesondere die Geschichte von Policeygesetzgebung und Strafrecht, Kriminalität und Strafjustiz und sozialer Randgruppen und Minderheiten.
Im Anschluss an die Vorlesung laden wir herzlich zu einem Umtrunk ein, um gemeinsam ins Gespräch zu kommen und diesen Abschied in persönlicher Atmosphäre ausklingen zu lassen.