Prof. Knodt hält Keynote beim Länderübergreifenden Forum zur Netzresilienz
22.04.2026
Wie können technische Innovationen helfen, wenn ein koordinierter Anschlag auf das Stromnetz unsere kritische Infrastruktur in einer Metropolregion wie Frankfurt/Rhein-Main in kürzester Zeit lahmlegt? Darüber sprach Michèle Knodt, Direktorin des Anwendungs- und Transferzentrums Digital Resilience Xchange (DiReX) und stellvertretende Koordinatorin des LOEWE-Zentrums emergenCITY, am 20. April beim ersten länderübergreifenden Forum für Netzresilienz im darmstadtium in Darmstadt.
Das Forum des Hessischen Ministeriums für Digitales und Innovation bot mehr als 200 Teilnehmer:innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung eine Plattform, um sich über digitale Resilienz und krisenfeste Infrastrukturen auszutauschen. Neben Keynotes und Diskussionsformaten wurden konkrete Krisenszenarien beleuchtet sowie kommunale Best Practices und aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt.
Die hessische Digitalministerin Kristina Sinemus eröffnete das Forum. „Digitale Infrastruktur ist für alle Bereiche unseres Lebens von zentraler Bedeutung und damit Rückgrat und Achillesferse zugleich. Gerade deshalb kommt es entscheidend darauf an, vorhandene Erkenntnisse und innovative Lösungen zügig in die Praxis zu bringen – für robuste Netze, verlässliche Kommunikation und funktionsfähige Infrastrukturen im Krisenfall. Mit unserem länderübergreifenden Forum möchten wir hierfür ein wichtiges und regelmäßiges Austauschformat schaffen“, so die Ministerin.
Sinemus betonte auch noch einmal, dass Darmstadt und Hessen optimale Voraussetzungen für ein nationales Zentrum für Digitale Resilienz böten, da bestehende Projekte wie emergenCITY und DiReX eine starke Grundlage für den Aufbau eines solchen Zentrums bilden.
Anhand eines Krisenszenarios erläuterte Michèle Knodt in ihrem Vortrag, welche Auswirkungen ein Anschlag auf das Stromnetz hätte. Durch den sogenannten Kaskadeneffekt würde nicht nur der Strom fehlen, sondern auch Wärme- sowie Wasserversorgung und Mobilfunknetz ausfallen.
Anschließend listete sie auf, welche Innovationen aus der Forschung des LOEWE-Zentrums emergenCITY eine Rückkehr zur Normalität erleichtern würden:
- Die energieautarke Litfaßsäule 4.0 könnte die Menschen im Quartier schnell warnen und informieren.
- Die Heinerbox würde ein Notfallnetz aufspannen, über das Menschen ebenfalls zusätzliche Informationen erhalten und Krisenstäbe aktuelle Lageinformationen.
- eHUBs, energieautarke Smart Homes, könnten als Anlaufstelle in der Krise dienen sowie sich selbst, die Nachbarschaft und als vernetzte eHUBs kritische Infrastrukturen mit Strom versorgen.
- Der Rettungsroboter Scout könnte ein umfassendes Lagebild erstellen, sodass Einsatzkäfte gefährliche Zonen meiden könnten.
- Digitale Zwillinge wie NEXUS könnten im Vorfeld Krisenmanager:innen auf solche Szenarien vorbereiten.
- Mit der ReSON App, die unabhängig von Mobilfunknetz und Internet funktioniert, könnten die Menschen kommunizieren und Nachbarschaftshilfe organisieren.
- Serious Games wie Krisopolis könnten das Wissen rund um Krisenvorsorge und die Selbsthilfefähigkeit der Menschen stärken.
Darüber hinaus präsentierten DiReX-Vertreter:innen am Stand den Besucher:innen Demonstratoren aus der emergenCITY-Forschung, darunter ein Modell der Litfaßsäule 4.0, ein Modell des eHUB, die Heinerbox und das Serious Game Krisopolis.
Lehren aus der Ahrtal-Flut
Die rheinland-pfälzische Digitalisierungsministerin Dörte Schall, die eine Keynote unter dem Titel „Für Krisenvorsorge das Undenkbare denken. Wie die Ahrtalflut selbst sicher geglaubte Redundanzen wegspülte“ hielt, erklärte: „Die Katastrophe im Ahrtal hat uns in Rheinland-Pfalz schmerzlich vor Augen geführt, was es bedeutet, wenn digitale Netze zusammenbrechen. Ohne stabile Netze ist eine effektive Krisenbewältigung kaum möglich. Resiliente Infrastruktur heißt daher mehr als die Wiederherstellung des Status quo. Wir müssen aus Krisen lernen und den technologischen Sprung nach vorn wagen: Alte Schwachstellen müssen konsequent durch modernste Glasfasertechnologie ersetzt und durch flexible, europäische Satellitenlösungen als Redundanz abgesichert werden, um unsere digitale Souveränität zu wahren. Daher bin ich dankbar für die heutige Veranstaltung und den Austausch mit Expertinnen und Experten“.
Das länderübergreifende Forum wurde von der neu geschaffenen Koordinierungsstelle für die Resilienz der Netze und Kommunikation beim Breitbandbüro Hessen (HTAI) organisiert.