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Gemeinschaft

In der Adventszeit ist oft die Rede von der Besinnung auf Gemeinschaft. Ein Begriff, der auch in der arbeitssoziologischen Forschung eine zentrale Rolle spielt. Arbeits- und industriesoziologische Studien zeigen etwa, dass Solidarität in Betrieben nicht einfach „gegeben“ ist, sondern auf der Basis von Kooperation und Kollegialität sozial hergestellt wird: durch gemeinsame Interessen, Vertrauen und Aushandlungsprozesse (vgl. etwa Detje & Sauer 2023).

Gewerkschaften und Betriebsräte sind in diesem Sinne soziale Orte kollektiven Handelns. Forschungen zu ihrer Praxis zeigen, wie Mitbestimmung funktioniert und wo sie an Grenzen stößt, etwa durch Prekarisierung, Digitalisierung oder neue Formen betrieblicher Steuerung (vgl. etwa Brinkmann & Nachtwey 2017).

So erinnert uns die Arbeitssoziologie daran, dass gute Arbeit und demokratische Teilhabe immer wieder neu ausgehandelt werden müssen – nicht nur in Tarifrunden, sondern auch im alltäglichen Zusammenarbeiten. Vielleicht ist der Advent ein guter Moment, sich dieser leisen, aber wirkungsvollen Formen von Solidarität bewusst zu werden.


Literatur:

Brinkmann, U. & Nachtwey, O. (2017). Postdemokratie und Industrial Citizenship. Erosionsprozesse von Demokratie und Mitbestimmung. Weinheim/Basel: Beltz Juventa.

Detje, R. & Sauer, D. (2023). Solidarität in der Krise der Arbeitswelt. Aktualität kollektiver Widerstandserfahrungen. Hamburg: VSA.


Institut für Soziologie